In Frankreich bleibt der stationäre Handel trotz des E-Commerce-Wachstums weiterhin ein zentraler Bestandteil der Einkaufslandschaft. Über 50 Prozent der französischen Verbraucher bevorzugen nach wie vor den Einkauf im Geschäft. Hauptgründe sind das unmittelbare Erleben der Produkte, persönliche Beratung und die Vermeidung von Versandkosten. Das Sicherheitsgefühl beim Bezahlen sowie eine unkomplizierte Rückgabe werden ebenfalls geschätzt.
Jüngste Entwicklungen zeigen dennoch, dass der stationäre Handel unter Druck steht. Ein Beispiel ist das gescheiterte französische “Oui Pub”-Experiment, das 2022 eingeführt und 2025 wieder abgeschafft wurde. Ziel war es, unadressierte Werbepost nur noch an Haushalte zu verteilen, die dies explizit wünschten. In den Testgebieten führten die Werbebeschränkungen jedoch zu spürbaren Umsatzeinbußen und einem Verlust an Sichtbarkeit – insbesondere für kleinere Händler. Die Rückkehr zum klassischen Opt-out-Modell bei Werbepost ab Mai 2025 gilt als Signal zur Unterstützung des stationären Handels.
Zusätzlich zu diesen Herausforderungen gibt es eine allgemeine Konsumzurückhaltung: Wirtschaftliche Unsicherheiten und geringe Wachstumsperspektiven für 2025 (nur 0,7% laut Banque de France) dämpfen die Ausgabenbereitschaft, was sich auf alle Handelssegmente auswirkt. Gleichzeitig veranlassen Umstrukturierungen und Filialschließungen – wie zuletzt bei C&A – zahlreiche Handelsunternehmen dazu, sich strategisch neu auszurichten.
Online-Handel: Expansion und neue Dynamik
Der Online-Handel entwickelt sich in Frankreich weiterhin dynamisch. Die zunehmende Nutzung von Smartphones und besser verfügbarem Internet haben den E-Commerce-Markt deutlich wachsen lassen. Große Player wie Kaufland planen die Expansion nach Frankreich ab Spätsommer 2025, um vom steigenden Online-Potenzial zu profitieren. Prognosen erwarten damit einen weiteren Schub für das Segment.
Konsumverhalten: Der Verbraucher zwischen beiden Welten
Das Konsumverhalten in Frankreich ist heute von einer deutlichen Hybridisierung geprägt. Viele Verbraucher nutzen sowohl den stationären als auch den Online-Handel je nach Situation, Angebot und Produktkategorie. Kreditkartenumfragen und Branchenstudien bestätigen, dass die nahtlose Verbindung von Online- und Offline-Shopping an Bedeutung gewinnt: Beispielsweise kaufen viele Kunden online ein, wünschen aber die Möglichkeit, Produkte unkompliziert im Geschäft zurückzugeben – ein Service, der die Kundenzufriedenheit deutlich steigert.
Zentrale Wünsche der französischen Verbraucher 2025:
- Erleben vor Ort, Beratung und sofortige Mitnahme im Geschäft
- Flexibilität und Komfort bei digitalen Kanälen (mobiles Bezahlen sehr gefragt)
- Sicherheit beim Bezahlen, insbesondere im Geschäft
- Bedarf an flexiblen Lieferoptionen
- Vorliebe für Marken mit lokalem Bezug und „Made in France“-Label
- Transparenz und Rückverfolgbarkeit (insbesondere bei Lebensmitteln)
- Nachhaltigkeit, u.a. durch umweltfreundliche Verpackungen und einfache Rückgaben
Zusammenfassend kann gesagt werden: Der stationäre Handel bleibt in Frankreich elementar, allerdings ist die Branche mit strukturellen Herausforderungen und veränderten Konsumgewohnheiten konfrontiert. Der Online-Handel wächst weiter, stößt aber an einen Sättigungspunkt beim Wachstumstempo. Das Konsumverhalten der Franzosen ist zunehmend hybrid: Sie fordern eine nahtlose Verbindung beider Handelswelten und erwarten vom Einzelhandel flexible, persönliche und nachhaltige Angebote.
Bild: Granville in Frankreich, Björn Musiol
Quellen: Bundesverband Druck und Medien e.V., Leader Réunion, Banque de France, TextilWirtschaft
von Björn Musiol