Nicht Weihnachten, nicht Ostern – nein, das schönste Fest des Jahres war für mich schon immer das Schützenfest. Schon an Pfingsten beim Stadtteil-Schützenfest kam Stimmung auf, aber richtig ernst wurde es Ende August, wenn die „Große Kirmes“ lockte. Strahlender Sonnenschein (zumindest in meiner Erinnerung), Zuckerwatte, Schießbude, Losglück – alles dabei.

Unvergessen bleibt das Jahr, in dem ich beim Kamelrennen dreimal hintereinander gewann. Da stand ich – kaum größer als das Gewehr eines Schützen – und hielt ein Plüschkrokodil in den Armen, das größer war als ich selbst. Jahrelang bewachte es mein Kinderzimmer. Heute sind die Rollen etwas anders verteilt: Beim Kamelrennen fehlt mir die Treffsicherheit, Naschwerk weicht dem Altbier. Doch die Freude ist geblieben.

Und die hat noch einen ganz anderen Grund: Die Stadt selbst strahlt. Neuss versteht etwas vom sogenannten City-Dressing. Fahnen an den Laternen, Blumenschmuck in Kübeln, festlich dekorierte Schaufenster in den Stadtfarben – überall ein Hauch von Schützenfest. Besonders schöne Schaufenster werden sogar prämiert. Es ist, als ob nicht nur die Schützen, sondern die ganze Stadt Uniform trägt.

Doch nach dem Schützenfest ist in Neuss längst nicht Schluss. Schon wenige Wochen später zieht das Hansefest die Besucher an. Rund ums Rathaus wird gegessen, getrunken und gefeiert, während man gleichzeitig einen Einblick in die alte Hansegeschichte erhält. Im Sommer wiederum sorgt der Feierabendmarkt alle zwei Wochen für gesellige Stunden mitten in der Woche. Dazu kommen Trödelmärkte, Mittelaltermärkte, der Weihnachtsmarkt – und im Frühjahr „Neuss blüht auf“. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass in der Innenstadt etwas los ist.

Eine starke Werbegemeinschaft, hier die ZIN (Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss), macht es möglich. Sie setzt sich ein für wirtschaftliches Wachstum, Verbesserung der Aufenthaltsqualität, Stärkung des Images sowie Interessenvertretung und natürlich einige der genannten Veranstaltungen. Hinzu kommen weitere schöne Dinge, die einen Aufenthalt in Neuss für Bewohner und Besucher einfach schön machen, wie bspw. der Nikolaus, der in der Weihnachtszeit Schokoherzen in der Innenstadt verteilt. Wer das einmal erlebt hat, weiß, wie viel Charme in solchen Kleinigkeiten steckt.

Nun könnte man einwenden, ich sei als original gewachsenes Nüsser Röske etwas voreingenommen. Mag sein. Aber beruflich komme ich viel herum und sehe, was andere Städte – gerade hier in NRW – in ihren Innenstädten tun. Mein Eindruck: Neuss macht sehr viel richtig. Natürlich auch nicht alles – Stichwort Sebastianusstraße, über die man vortrefflich diskutieren kann. Aber im Großen und Ganzen: Da können wir uns sehen lassen. Diese Einschätzung teilen auch andere: Auf dem letzten von uns ausgerichteten NRW-PRAXISTAG der Stadt- und Quartiersakteure in Recklinghausen sollte es u.a. um die Arbeit des ZIN gehen und da stieß der Bericht vom ZIN-Vorsitzenden Christoph Napp-Saarburg auf ebenfalls positive Resonanz. Den NRW-Praxistag kann ich Ihnen übrigens sehr ans Herz legen, sollten Sie Interesse rund um alles die Werbe- und Interessengemeinschaften betreffende haben. Und: Wer Neuss nur vom Durchfahren kennt, sollte sich einmal Zeit nehmen, auszusteigen und die Stadt zu erleben. Am besten natürlich zum Schützenfest – wenn Neuss im Ausnahmezustand ist und man spürt, wie viel Herz in dieser Stadt schlägt.

von Carina Peretzke