Klar, auch in der Innenstadt von Geseke im Kreis Soest sind die Kundenfrequenzen seit geraumer Zeit rückläufig. „Die Kunden kommen nicht mehr in die Stadt“, konstatiert Ursel Trugge. Die 55-Jährige und ihr Mann Volker haben das Unternehmen „Trugge Bürobedarf und Büroeinrichtung“ jüngst an ihre Tochter Lotte Trugge in der dritten Generation übergeben, die das Unternehmen mit seinen zwölf Mitarbeitern zusammen mit Edvard Ladan, bereits seit 1999 im Unternehmen, führt. Gut, dass Trugge in herausfordernden Zeiten wie diesen auf mehreren Beinen steht, eben dem klassischen Ladengeschäft rund um das Thema Bürobedarf und Geschenkartikel sowie der Geschäftskundensparte rund um das Thema Büroeinrichtung. Hier zählen der klassische Mittelstand aus der Region Südwestfalen sowie die öffentliche Hand zu den Stammkunden. Mehr noch: In Sachen Schulranzen hat das Unternehmen weit über die Stadtgrenzen hinaus in puncto Sortimentsbreite und Beratung ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Apropos Beratung: „Die Beratung ist bei uns das A und O. Man muss seine Kunden kennen und deren Geschmack treffen“, sagt Lotte Trugge, die ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in einem dualen Studium (BWL mit dem Schwerpunkt Möbel) an der Möbelfachschule in Köln gemacht hat.

„Alles, was individuell ist, hat Zukunft.“

Die 24-Jährige schaut auch in digitalen Zeiten mit Optimismus in die Zukunft: „Alles, was individuell ist, was Persönlichkeit ausmacht, hat Zukunft.“ Dementsprechend ist das Angebot im Ladengeschäft. Dazu gehöre auch, immer wieder Produkte im Angebot (und im Schaufenster, das alle sechs Wochen neu dekoriert wird) zu haben, die man bei Trugge nicht unbedingt erwarten würde, etwa eine manuell betriebene Brotschneidemaschine.

Die Geschäftsphilosophie „Persönlich. Besser. Beraten.“ wird täglich mit Leben gefüllt. „Im Gespräch zu bleiben, ist wichtig. Zudem wollen wir unserem Ruf als familiengeführtes Unternehmen, das sich auf preisstabile Markenware konzentriert, treu bleiben. Wichtig ist es für Lotte Trugge, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, dabei im Kopf immer offen für neue, kreative Ideen zu bleiben. Vor allem: „Ein kleines Unternehmen wie unseres bietet so viel an Entfaltungsmöglichkeiten.“ Ursel Trugge führt im Gespräch mit NRW handelt einen weiteren Aspekt auf der Haben-Seite des stationären Einzelhandels an: „Als Einzelhändler sind wir für unsere Kundinnen und Kunden häufig wie Seelsorger – und ein lebendiger Ort, der der viel zitierten Vereinsamung entgegenwirkt.“

Als Kunde bei Trugge und Gast in der Stadt merkt man schnell: Hier wird Handel nicht nur betrieben – hier wird er mit Leidenschaft gelebt. Das Trugge-Erfolgsgeheimnis liegt nicht allein in seiner Produktpalette. Es liegt auch und vor allem in der Haltung. Hier geht es um Ware – und um Werte! Das Familienunternehmen sieht sich als Garant für Qualität – bei den Produkten ebenso wie im Umgang mit Menschen und Mitarbeitern. Ob Schulranzen, hochwertige Schreibgeräte, Geschenkartikel oder Büromöbel: Das Sortiment ist sorgfältig kuratiert, die Produkte versprechen Langlebig- und Wertbeständigkeit. Gleichzeitig ist das Geschäft an der Bäckstraße, einer der beiden wichtigen Einkaufsstraßen in Geseke, ein Ort der Begegnung. Kunden finden hier nicht nur Produkte, sondern auch Zeit für Gespräche, Beratung und persönliche Aufmerksamkeit.

Wenn der Einkauf zum Erlebnis wird …

Besonders sichtbar wird das bei den Events rund um das Thema Schulranzen zur Einschulung. Für viele Kinder ist der erste eigene Tornister ein großer Moment – bei Trugge wird daraus ein kleines Ereignis. In einer eigens gestalteten Verkaufsfläche im Obergeschoss nehmen sich die Mitarbeitenden Zeit, um das passende Modell zu finden. Für die zukünftigen „I-Dötzchen“ wird der Einkauf zu einem echten Erlebnis – und für die Eltern zu einer Beratung auf Augenhöhe. Diese besondere Atmosphäre entsteht nicht zufällig. Sie ist Teil einer Unternehmenskultur, die von Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist.

Das zeigt sich auch im Trugge-Team. Fluktuation ist hier praktisch kein Thema. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden – wie Lotte Trugge auch – im Unternehmen ausgebildet, sind ihm über viele Jahre verbunden. Eine personelle Stabilität wie diese ist im Einzelhandel keineswegs mehr selbstverständlich. Und doch so wichtig: Denn Studien zeigen, dass eine hohe emotionale Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen nicht nur zu größerer Zufriedenheit führt, sondern auch mit weniger Krankheitsausfällen und geringerer Wechselbereitschaft einhergeht. Bei Trugge wird diese Bindung durch eine offene, freundliche und optimistische Unternehmenskultur gestärkt.

Mit dem Generationswechsel hat Lotte Trugge die Verantwortung im Unternehmen übernommen. Gemeinsam mit Edvard Ladan führt sie das Unternehmen mit dem gleichen Geist, den gleichen Werten weiter, die das Haus seit Jahrzehnten prägen: Vertrauen in die Menschen, Zuversicht für die Zukunft und eine klare Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden. Hier zeigt sich eine besondere Stärke des stationären Einzelhandels: die persönliche Beziehung. Im persönlichen Austausch entstehen echte Verbindungen zwischen Händlern, Mitarbeitenden und Kunden. Und die halten mitunter über Generationen. Vielleicht ist es genau das, was den Einzelhandel in Südwestfalen auszeichnet. „Die Region ist ländlich geprägt, die Wege sind kurz, man kennt sich. Handel ist hier nicht nur Versorgung, sondern Teil des sozialen Lebens. Geschäfte sind Treffpunkte, Orte des Austauschs und manchmal sogar kleine Bühnen für besondere Momente“, weiß Anja Gröne-Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen – Südwestfalen in Arnsberg.

Begeistern & inspirieren

Bei Trugge stehen die Kunden im Mittelpunkt – und das aus Tradition. Gut, das sagen andere auch, hier wird diese Anspruch rund um ein großes Sortiment an Büro- und Schreibwarenbedarf mit umfangreichen Services, individueller Beratung und einer Wohlfühl-Atmosphäre gelebt. Und immer wieder hat man sich in der Unternehmensgeschichte agil gezeigt, die Wünsche der Kundschaft im Blick. Begonnen hat alles 1950 mit dem Geschäft aus einer Leihbücherei und einer Reparaturwerkstatt für Büromaschinen, das Anton Trugge, ein gelernter Werkzeugmacher, zusammen mit seiner Frau Maria auf gerade einmal 50 Quadratmetern eröffnete. Kundenbindung war schon damals Teil der Unternehmens-DNA: Schreibmaschinen, die am späten Abend abgeholt wurden, wurden bereits am nächsten Morgen wieder gereinigt ausgeliefert. 1972 wurde das Sortiment an einem neuen, dem heutigen Standort auf Schul-, Büro- und Bastelbedarf, Grußkarten und Geschenkartikel ausgebaut. Eine große Erweiterung erfolgte 1991: In der 1. Etage des Geschäftshauses entstanden neue Ausstellungs- und Verkaufsräume für Büromöbel, Bürostühle und Bürotechnik, die Geschäftsfläche wuchs so auf fast 500 Quadratmeter. 2009 erfolgte eine umfassende Renovierung der Geschäftsräume inklusive Erneuerung der Außenfassade. Bei allen Veränderungen geblieben ist die Philosophie: durchdachter Service, umsichtige Beratung. Ursel Trugge: „Wir verlieren weder den Blick für das Wesentliche noch für das Besondere. Alles, was wir anbieten, basiert auf Kompetenz, Erfahrung und Gefühl für neue Trends und Produkte. Wir haben sie, die schönen Dinge, das Stilvolle, das Kreative – um zu begeistern und zu inspirieren.“

Dass ein Unternehmen wie Trugge erfolgreich wirtschaftet und geräuschlos den Generationswechsel vollzogen hat, zeigt: Der stationäre Handel hat Zukunft – wenn er seine Stärken nutzt. Anja Görne Nolte: „Freundlichkeit, Verlässlichkeit, gute Beratung und echte Begegnungen lassen sich nicht digitalisieren.“

von Matthias M. Machan, Mitarbeit: Anja Gröne-Nolte

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