Er ist Kabarettist, TV-Gastgeber, Autor, Fotograf und vieles mehr: Dieter Nuhr moderiert seit vielen Jahren die ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ sowie den kabarettistischen Jahresrückblick. Neben seiner Bühnen- und Fernsehtätigkeit ist der 65-Jährige als bildender Künstler aktiv, stellt seine Werke international aus. Der heute in Ratingen lebende Nuhr wurde in eine katholische Beamtenfamilie hineingeboren, wuchs bis zu seinem vierten Lebensjahr in Wesel auf. Mit seinen Eltern zog er nach Düsseldorf, wo sein Vater als Regierungsdirektor arbeitete. Nach dem Abitur studierte Nuhr in Essen bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt, legte 1988 das Erste Staatsexamen ab. Er bekam 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis für sein Programm „Nuhr weiter so“, fünf Jahre später den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt.

Lieber Herr Nuhr, was haben Sie wo zuletzt eingekauft?

Ich kaufe ja gerne im Internet, da muss ich keine Tüten tragen. Mea Culpa. Ich bin viel unterwegs. Da ist es schön, wenn zu Hause ein Paket wartet, wenn ich wiederkomme. Das ist immer ein bisschen wie Weihnachten.

Wo ist der stationäre Handel Ihre erste Wahl?

Wenn ich einen Laden mit guter Beratung und gutem Service kenne, gehe ich da hin. Dann nehme ich auch gerne höhere Preise in Kauf. Mein Fernseher stammt aus dem örtlichen Einzelhandel, von kompetenten Händen an die Wand „geklebt“. Wunderbar. Da gehe ich wieder hin. Aber mein Kaffee kommt per Post aus Berlin.

Was war Ihr letzter echter „Lustkauf“?

Ein paar Früchte irgendwo am Rand des malaysischen Regenwaldes.

Können Sie sich an Ihr schönstes Einkaufserlebnis erinnern?

Ne, ehrlich gesagt nicht. Als Kind habe ich Weihnachten geliebt. Da musste niemand einkaufen, der Weihnachtsmann brachte alles vorbei. Herrlich.

„Ich habe nie einen Plan gehabt!“

Als Jugendlicher waren Sie Messdiener. Nach dem Abitur in Düsseldorf haben Sie in Essen bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt studiert. War das Plan A in Ihrem Leben?

Ich habe nie einen Plan gehabt. Ich bin nie abgebogen, weil es nie geradeaus ging. Wir sind aus Spaß auf die Bühne gegangen, irgendwann wurde das zum Beruf. Irgendwann stellten Galerien und Museen meine Arbeiten aus, auch zum Verkauf, so wurde auch dies zum Beruf. Das war nicht geplant, es ist passiert.

Sie sind Kabarettist, TV-Gastgeber und Moderator, Fotograf, Autor und bildender Künstler. Was davon am liebsten?

Ich habe da keine Präferenzen, alles ist Teil meines Lebens. In der Aufzählung fehlt: Reisender. Das ist vielleicht der wichtigste Teil, denn durch das Reisen gewinne ich Distanz und dadurch meinen etwas besonderen Blick auf die Gesellschaft, der Texte und Bilder erst ermöglicht.

Wofür steht Dieter Nuhr als Mensch, was ist Ihre persönliche DNA?

Schwer zu sagen. Wenn man das so kurz zusammenfassen könnte, wäre es um meine Person wahrscheinlich eher dürftig bestellt. Ich denke nach, rede über die Gesellschaft, mache mir ein Bild und stelle es zum Anschauen bereit. Offensichtlich mache ich das auf besondere Art, sonst würde es niemanden hinter dem Ofen herlocken. Dass das, was ich mache, Menschen interessiert, freut mich außerordentlich.

Wo ist für Sie Heimat?

Heimat ist der Ort, wo alles selbstverständlich ist. Man muss nicht erst darüber nachdenken, wie man sich benimmt und was üblich ist. Ich war 40 Jahre auf Tournee und in knapp 100 Ländern, deshalb weiß ich: Im Rheinland ist es auf angenehme Art unkompliziert. Da fühle ich mich zu Hause. Heimat ist ja nicht mehr als ein Gefühl des Einverstandenseins mit den örtlichen Gepflogenheiten.

Ihre aktuellen Projekte?

Das aktuelle Programm ändert sich täglich. Die nächsten Kunstausstellungen stehen in Regensburg, in Malaysia und bei der ART Düsseldorf an. Mein neuer Katalog soll dieses Jahr fertig werden.

„Im Rheinland ist es auf angenehme Art unkompliziert.“

Was ist Ihr Antrieb als Kabarettist und Künstler?

Als Kabarettist Vergnügen. Und das Gefühl, dem Absurden etwas Heiteres abringen zu wollen. Als Künstler ebenfalls Vergnügen, aber auf die stillere Art. Ein stehendes Bild ist ja in diesen Zeiten der medialen Raserei schon fast ein subversiver Akt.

Was ist Ihr größtes Talent?

Zusammenhänge zu erkennen. Die Dinge zusammenfügen zu können. Das Wesentliche zu erkennen. Beim Tennis die Vorhand.

Wo nehmen Sie Ihren Stoff her? Liegen die Geschichten auf der Straße, man muss sich also nur bücken und genauer hinschauen?

Im unübersichtlichen Brei der Informationen versuche ich, Muster zu erkennen. Wenn die Geschichten nur aufgehoben werden müssten, wäre meine Arbeit uninteressant. Im besten Fall sagt nachher jemand: So habe ich das noch nicht gesehen. Dann ist alles gut.

Was unterscheidet den Comedian vom Kabarettisten?

Das habe ich noch nie verstanden. Für den Kabarettisten ist der Comedian vielleicht lustig, aber doof. Für den Comedian ist der Kabarettist möglicherweise gebildet, aber verbissen. Ich möchte gerne lustig sein und trotzdem ab und zu was Schlaues erzählen. Mir ist egal, wie man das bezeichnet, was ich mache. Es gibt schlaue Comedians und lustige Kabarettisten. Und es gibt nicht wenige, die keins von beiden sind.

„Lachen per se ist eine ehrenwerte Tätigkeit“

Worüber können Sie ganz persönlich lachen?

Ich lache viel. Worüber kann ich nicht genau sagen. Ich denke da nicht drüber nach. Mir ist auch egal, ob etwas unter oder über der Gürtellinie ist, ich kann über doofes Zeug lachen, finde aber auch Hochgeistiges nicht per se uninteressant. Ich lache, wenn ich lachen muss und mache mir darüber keine ideologischen Gedanken. Es gibt ja Menschen, die sagen, dass sie nicht unter Niveau lachen wollen. Mir sind solche Verklemmungen fremd. Ich finde Lachen per se eine ehrenwerte Tätigkeit.

Wie befruchten sich der Kabarettist und Künstler Dieter Nuhr gegenseitig? Gibt es Synergien und Berührungspunkte oder sind das zwei komplett getrennte Welten?

Im Grunde beruhen beide Tätigkeiten auf meinen Reisen. Durch das häufige Verlassen der eigenen Lebenswelt gewinne ich Distanz zu ihr und blicke von außen drauf. Ich bin von der Fremde fasziniert und mache daraus Bilder. Und durch die Unterschiede in der Kultur nehme ich wahr, was man, wenn man die eigene Blase nie verlässt, gar nicht mehr bemerkt.

 „Ich habe keine Work-Life-Balance“

 Ihre Tätigkeit ist „nur“ Beruf oder vor allem auch Berufung?

Das lässt sich bei mir nicht trennen. Ich habe auch keine Work-Life-Balance und bemitleide jeden, der eine möchte. Wie traurig! Im besten Fall ist die Arbeit nicht Gegensatz zum Leben, sondern ein Teil davon.

Wenn Sie für einen Tag einen anderen „Job“ machen könnten, welcher wäre das?

Amerikanischer Präsident. Ich glaube, da käme man mit überraschenden Erkenntnissen raus.

Ihr Lieblingsplatz, um entspannen zu können?

Ein Stein zum Sitzen mit Blick auf den Himalaya.

Welche drei Dinge dürfen nicht in Ihrem Kühlschrank fehlen?

Alkoholfreies Bier, Wein und Joghurt. Bitte alles in einzelnen Gefäßen.

Mein größtes Laster ist…?

… Menschen plattzureden.

Welche Freiheit nehmen Sie sich?

Jede, die strafrechtlich unbedenklich ist und andere nicht behelligt.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Alles. Arbeit, Leben, Tennis, Essen, Kochen, Schlafen und der Rest.

Ihr Lebensmotto?

Überleben!

 

Das Interview führte Matthias M. Machan

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