Traditioneller Jahresempfang des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe e.V. (HV OWL) im GOP Varieté-Theater in Bad Oeynhausen am 2. Februar 2026 unter dem Motto „Gemeinsam den Handel in Ostwestfalen-Lippe weiterdenken“. Ort, Zeitpunkt und Programm waren der Garant für ein volles Haus mit Gästen aus allen Teilen der Region. Prof. Dr. Johannes Beverungen (1. Vorsitzender des HV OWL) begrüßte in seiner Ansprache die Gäste unter Verweis auf das HDE-Konsumbarometer mit verhaltenem Optimismus zum Start des Reformjahres 2026. „Es weht so etwas wie ein Hauch von Hoffnung durchs Land“, so Beverungen. Demnach blickten die Verbraucherinnen und Verbraucher im Januar erstens ein bisschen optimistischer als im Vormonat auf die kommenden Wochen und seien zweitens etwas zuversichtlicher gestimmt als noch vor einem Jahr – nicht ahnend, dass wenige Wochen später der Krieg im Iran alle Konjunkturprognosen über den Haufen geworfen haben werde.

Beverungen forderte die Bundesregierung auf, „endlich durch entschlossenes Umsetzen von Strukturreformen im weiteren Jahresverlauf die handfesten Sorgen und schwelenden Unsicherheiten von uns allen abzubauen“. Dabei zitierte er CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann („Einfach mal machen!“) und ergänzte: „Bitte nicht weiter auf die lange Bank schieben. Es ist nach diesen vielen Jahren im Krisenmodus so unglaublich wichtig, sich nicht vom vereinbarten Reformkurs abbringen zu lassen, sondern gemeinsam notwendige Entscheidungen zu treffen, um die Wirtschaft endlich spürbar anzukurbeln.“

„Einfach mal machen!“

Aus der Bundespolitik war Dr. Oliver Vogt als Mitglied des Bundestagestages zum Jahresempfang angereist. Mit dabei auch Ina Laukötter (Landrätin Kreis Gütersloh), Mirco Schmidt (Landrat Kreis Herford), Hans-Bernd Janzen (stv. Landrat Kreis Paderborn) und Birgit Tornau (stv. Landrätin Kreis Lippe). Insbesondere die vielen Bürgermeister oder deren Stellvertreter bzw. kommunale Repräsentanten aus allen Teilen der Region verdeutlichten einmal mehr die hohe Bedeutung des Handels für die zukünftige Entwicklung der Städte und Gemeinden. Und auch die Vertreter von befreundeten Kammern und Verbänden sowie zahlreiche Einzelhändler und Wirtschaftsvertreter der Region OWL trafen sich zu einem interessanten Abend. Begrüßt wurden die Gäste von Lars Bökenkröger (Bürgermeister Bad Oeynhausen), der zugleich ein Plädoyer für die Bedeutung des Handels für die Städte und Gemeinden hielt.

In seiner Ansprache zeigte Prof. Dr. Johannes Beverungen trotz „Licht am Ende des Tunnels“ zu Jahresbeginn Weitsicht auf das, was im März in Sachen Konjunktur folgte: „In unsicheren Zeiten steigt die Sparneigung. Gerade wir im Handel mussten dies erneut leidvoll miterleben.“ Doch war sein Blick nach vorne gerichtet: „Hier und heute wollen wir mit Mut und Zuversicht das Jahr 2026 mit Ihnen gemeinsam angehen.“ Die Konsumzurückhaltung des vergangenen Jahres werde sich jedoch nur dann dauerhaft legen, wenn es der Bundesregierung endlich gelinge, für nachhaltiges Wachstum zu sorgen.

Was in Ostwestfalen-Lippe unter den Nägeln brennt …

Und was bewegt Ostwestfalen-Lippe? Die Verkehrswende natürlich, aber auch ein Aufreger aus Brakel. Dort soll ein großflächiges Einzelhandelsprojekt mit innenstadtrelevanten Sortimenten auf der grünen Wiese Realität werden. Beverungen: „Ohne echte Beteiligung der Nachbarkommunen und ohne frühzeitige Einbindung der Fachakteure. Ein Vorgehen, das fassungslos macht.“ Und weiter: „Es ist schwer nachvollziehbar, dass in Brakel noch immer geglaubt wird, großflächiger zentrenrelevanter Einzelhandel auf der grünen Wiese sei ein zukunftsfähiges Modell. Während wir überall über verödende Innenstädte, Leerstände und den Verlust von Aufenthaltsqualität klagen, werden Entscheidungen getroffen, die genau diese Entwicklung weiter beschleunigen.“

Aber Beverungen konnte auch Positives berichten, beispielsweise aus Detmold: Klingemann setze in Detmold ein starkes Zeichen für die Zukunft der Innenstadt. Als neuer Ankermieter am „Hornschen Tor“ sei dies ein starkes Zeichen für die Zukunft der Innenstadt. Das Unternehmen werde ab 2028 auf rund 3.200 Quadratmetern moderne Damen- und Herrenmode, Sport- und Lifestyleartikel anbieten und damit einen echten Publikumsmagneten und Frequenzbringer für die Innenstadt bilden – „und nicht wie in Brakel die Innenstadt schädigen“.

Klartext von Kampeter

Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Steffen Kampeter (Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände). Der frühere Bundestagsabgeordnete, der u.a. auch als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen unter Wolfgang Schäuble tätig war, zog die Gäste des Abends mit seinem Vortrag „Vom Reformstau zum Politikwechsel? Chancen für Arbeit und Wachstum!“ in seinen Bann. Arbeit, Bildung und Gesundheit seien alles Themen, die aktuell auch in Berlin heiß diskutiert würden und „so ein wenig an enttäuschte Liebe erinnern, denn mit dem Reden in Berlin klappt es gut, aber mit der Umsetzung hapert es noch“, so die Einschätzung des Gastredners. Und: „Um die Potenziale von Wirtschaft und Handel umzusetzen, müssen noch einige Bremsklötze entfernt werden.“ Deutschland brauche dringend Wirtschaftswachstum und müsse wieder einen Spitzenplatz einnehmen – in Europa und darüber hinaus. „Wenn aber jedes Jahr 400.000 Babyboomer ersatzlos aus dem Arbeitsleben ausscheiden und eben nicht gleichwertig ersetzt werden können, dann hat Deutschland ein volkswirtschaftliches Problem.“ Dass Steffen Kampeter zu den profilierten Stimmen der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik zählt, hat er in Bad Oeynhausen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Schwerpunkte seines Vortrages – Arbeit, Bildung und Gesundheit – waren passend gewählt und wurden anschließend bei den regen Netzwerk-Gesprächen vertieft.

von Matthias M. Machan

Artikel als PDF downloaden