Die Küchentrends im Sommer 2026? Warme Naturtöne, matte Fronten, möglichst grifflos das Ganze, sanft gerundete Formen sowie ein hoher Anteil an Keramik und Stein als Werkstoff für Spüle und Arbeitsplatte. „Die Küche ist der Lebensraum des Hauses schlechthin. Und dieser zeigt sich ästhetisch reduziert, aber funktional reich an Top-Features“, sagt Wolfgang Neuhoff von „electroplus/küchenplus Neuhoff“ in Dortmund. Der 67-Jährige muss es wissen. Er gilt vielen in der Küchen- und Hausgeräte-Branche als Vordenker. Mit Weitsicht und strategischem Geschick führt er zusammen mit seinem Sohn Charly das Unternehmen am Stammsitz unweit der B1 in Dortmund sowie zwei weiteren Dependancen im Stadtteil Mengede und in Schwerte. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des Bielefelder Mehrsparten-Branchenverbundes EK Retail. Mit seinem Sohn Charly Neuhoff ist ein mit Bedacht angegangener Übergang von der dritten in die vierte Generation realisiert worden. Der 32-Jährige teilt sich die Geschäftsführung des Unternehmens mit seinem Vater, sukzessive soll dies dann auch in der Eigentümerstruktur abgebildet werden.

Zurück in den Lebensraum Küche: Gefragt seien hier Systeme statt Einzelkomponenten, Ruhe statt Reizüberflutung – beispielhaft zu sehen in einem Dutzend hochwertiger Ausstellungsküchen
auf 500 Quadratmetern, die sich vor allem an Menschen wenden, die bereits ihre zweite oder dritte Küche im Leben planen. „Wir haben eine hochwertige Ausstellung für eine klar definierte Zielgruppe“, erläutert Charly Neuhoff. Der Durchschnittspreis einer Neuhoff-Küche: rund 20.000 Euro. Dafür bekommen die Käuferinnen und Käufer mehr als nur die Küchenfronten und Hausgeräte: „Unser starkes Plus ist die Beratungsqualität, der Service, den wir anbieten, und die Zeit, die wir investieren. Wir drängen nicht auf den schnellen Kaufabschluss, sondern arbeiten
gemeinsam mit unserer Kundschaft an Lösungen für den Lebensraum Küche – dort, wo andere schnell abwinken“, sagt Charly Neuhoff.

Küchen-Trend: Die Farben der Entschleunigung

Der Blick in die Küchenausstellung zeigt die Farben der Entschleunigung: beispielsweise Sand, Macchiato, Coffee, Taupe- und Greige-Abstufungen. Sie beruhigen große Flächen, lassen Räume weicher wirken und funktionieren als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Wohnzonen. Wir registrieren Natürlichkeit und Minimalismus als übergreifendes Leitmotiv in der Küchenausstellung, die das Zuhause als einen Ort des Wohlbefindens inszenieren. Gesellschaftlich passt das zum Naturbezug und zur Erdverbundenheit, die einen Gegenpol zur Reizüberflutung der
modernen, digitalen Welt bildet. Ich treffe Charly und Wolfgang Neuhoff im Stammhaus des Unternehmens an der Märkischen Straße, wenn man so will in einem Dortmunder Gewerbe-Hinterhof. Die Halsschlagader des Reviers, die B1, ist gerade mal einen Steinwurf entfernt, der Fußball-Tempel des BVB auch. Eine frequentierte Lauflage ist dies dennoch nicht. „Wir gleichen unsere etwas versteckte Lage dank Marketing-Aktivitäten und Suchmaschinen-Optimierung wieder aus“, so Charly Neuhoff. Die, die kommen, kommen dann auch ganz gezielt für eine neue Küche oder ein neues Hausgerät. Der Vorteil: Hier gibt es alles aus einer Hand – mit fachspezifischer Beratung und ausreichend Parkplätzen. Auf der linken Seite des Hofes weist ein aufmerksamkeitsstark inszenierter Eingang auf die Küchenausstellung („küchenplus“) mit lauter Wohlfühlräumen und ganzheitlichen Wohnwelten hin, rechter Hand haben die kleinen und vor allem großen Hausgeräte auf 600
Quadratmetern bei „electroplus“ ihre Heimat. Zu den Highlights zählen hier Markenshops von Branchengrößen wie Miele und Siemens sowie eine offene Werkstatt für die Premium-Kaffeevollautomaten des Schweizer Anbieters Jura.

Das Küchengeschäft boomt

Während das Geschäft mit Hausgeräten (Wolfgang Neuhoff: „Die Nachfrage ist aktuell etwas zurückgegangen. Man spürt die Konsumflaute, im Ersatzbedarf ist die Nachfrage indes stabil.“) schon bessere Zeiten gesehen hat, gibt es eine starke Nachfrage nach neuen Küchen. „Der derzeitige Küchenboom lässt sich schwer erklären. Wir kommen in der Auslieferung und Montage kaum nach“, so Charly Neuhoff. Und: „Die Volatilität hat zugenommen, das erschwert die Planbarkeit der Geschäftsprozesse.“

Ein Blick in die Küchenausstellung von „küchenplus“: Hier haben die Architekten und Planer gezielt auf einen Materialmix aus Altem und Neuem gesetzt. So wurden alte Eisensäulen und eine „Laufkatze“, ein in die Jahre gekommenes Förderband an der 4,50 Meter hohen Decke, aufwendig instand und in Szene gesetzt. Neben hochwertig ausgestatteten Küchen mit stylischen Einbaugeräten fällt der Blick bei unserem Rundgang auch auf ein komplett eingerichtetes Apartment mit offener Küche, Wohnbereich, Bad, Hauswirtschaftsraum und Garderobe. Hier wird eindrucksvoll Planungs- und Lösungskompetenz inszeniert, die weit über die klassische Einbauküche hinausgeht.

„Der Standort funktioniert“, freuen sich Charly und Wolfgang Neuhoff unisono. Man lebe vor allem von Stammkunden im Umkreis von rund 30 Autominuten und einer hohen Weiterempfehlungsquote. „Neuhoff“ kennt man in Dortmund vor allem als Problemlöser. Wolfgang Neuhoff: „Wir bieten beispielhaften Service und ,Handwerk pur‘ rund um den Lebensraum
Küche.“ Zukunftsorientiert aufgestellt ist man bei Neuhoff auch. Dafür bringt Charly Neuhoff eine glänzende Expertise mit. „Ich habe den Schritt, ins Unternehmen einzusteigen, nie bereut“, so der 32-Jährige, der seine berufliche Karriere als Unternehmensberater in der Wirtschaftsberatung und Steuerberatungsgesellschaft WSG, einer Tochter von EK Retail, begann. „Das ist meine Basis.“ Bei
einer internationalen Managementberatung beriet er danach Großkonzerne zu Strategieprojekten, ehe er bei einer Strukturierungsberatung Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand aus Krisensituationen herausmoderierte: Keine schlechten Voraussetzungen, um in der Branche mit ihrer derzeitigen Volatilität zu reüssieren. „Charly ist in betriebswirtschaftlichen Dingen bestens ausgebildet und hat den kritisch prüfenden Blick von außen“, freut sich Vater Wolfgang.

Wolfgang Neuhoff entkoppelt sich derweil sukzessive vom Tagesgeschäft, kümmert sich um übergeordnete Controlling- und Background-Themen wie die Immobilien, während Charly Neuhoff das Tagesgeschäft und notwendige Veränderungsprozesse im Blick hat. Dazu gehört es u.a., den Herausforderungen beim Personal – rund 45 Mitarbeiter in Verkauf, Service und Verwaltung an drei Standorten – und Kostensteigerungen zu begegnen. „Kosten, die ich produziere, muss ich wieder einspielen, also Erträge schaffen und Zukunftsperspektiven aufzeigen.“ Gut, dass man neben Küchen auch mit Elektrohausgeräten noch Geld verdienen kann (was innerhalb der Branche hinter vorgehaltener Hand immer wieder in Abrede gestellt wird). Charly Neuhoff: „Auch wenn die Industrie mit ,direct to consumer‘ mächtig dazwischenfunkt, kann man mit Elektrohausgeräten noch Geld verdienen. Wir verkaufen unsere Geräte mit Dienstleistung, das ist ein Wettbewerbsvorteil!“ Und: „Unser Pricing für Dienstleistungen, seien es Anlieferung, Montage oder Reparatur, ist ein guter Hebel für die Sicherung der Erträge.“

Hoher Servicegrad und Küchenkompetenz

Apropos Dienstleistungen: „Wir sind die Spezialisten und unterscheiden uns durch unseren hohen Servicegrad und unsere Küchenkompetenz“, bringt es Wolfgang Neuhoff auf den Punkt. Im Wettbewerb gebe es überall deckungsgleiche Sortimente, die reine Distribution sei austauschbar. „Dann hätte ich ja alternativ auch eine Tankstelle betreiben können. Aber unsere Beratung, unsere Emotionalität am PoS und unser Service sind nicht austauschbar. Allesamt entscheidende Faktoren, um Kunden zu binden.“

Wolfgang Neuhoff, Diplom-Betriebswirt und Geschäftsführender Gesellschafter der Neuhoff Hausgeräte Küchen GmbH & Co. KG, ist gebürtiger Dortmunder, war einst Taxi-Unternehmer und kam als „Spätberufener“ erst im Alter von 34 Jahren in die Handelsbranche. Er führte das 1940 gegründete Familienunternehmen erfolgreich in dritter Generation. „Ein jeder denkt, dass man gut abgeben kann – bis man dann tatsächlich abgeben muss“, neckt die vierte Generation mit einem Augenzwinkern. Die Antwort kommt postwendend: „Ist der Vorgänger zu dominierend, dann ist
der Nachfolger zu schwach.“ Diese Sorge muss man bei Neuhoffs nicht haben …

von Matthias M. Machan

Artikel als PDF downloaden