Wie attraktiv eine Innenstadt wahrgenommen wird, hängt letztlich nicht allein vom Einzelhandel, der Gastronomie oder dem Veranstaltungsangebot ab. Faktoren wie Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung spielen für Besucherinnen und Besucher ebenso eine entscheidende Rolle wie für die ansässigen Unternehmen. Grund genug für den Handelsverband NRW – Rheinland verstärkt auf Sicherheits- und Stadtrundgänge zu setzen, bei denen u.a. Vertreter von Handel, Kommunen, Ordnungsbehörden und Polizei gemeinsam die Situation vor Ort bewerten und Handlungsansätze entwickeln.
„Das Konzept verfolgt einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz: Probleme werden nicht ausschließlich aus Berichten oder Statistiken, sondern direkt im öffentlichen Raum betrachtet“, so Jan Kaiser, Geschäftsführer beim Handelsverband NRW – Rheinland für die Region Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss. Gemeinsam mit Kooperationspartnern vor Ort initiierte Kaiser den ersten dieser Stadtrundgänge in Mönchengladbach-Rheydt. Händlerinnen und Händler erhielten dabei die Möglichkeit, ihre Erfahrungen unmittelbar einzubringen, während Verwaltung und Sicherheitsbehörden konkrete Eindrücke aus dem Alltag der Innenstädte aus Sicht der Gewerbetreibenden gewinnen.
Rheydt: Fortschritte sichtbar, Herausforderungen bleiben
Wie wichtig dieser direkte Austausch ist, zeigte sich bereits unmittelbar nach der Corona-Krise in Rheydt. Dort kamen auf Initiative des Handelsverbandes (mit Unterstützung durch die IHK Mittlerer Niederrhein und des Rheydter City-Managements) Gewerbetreibende mit Vertretern verschiedener Fachbereiche der Stadtverwaltung, der Polizei und Oberbürgermeister Felix Heinrichs zusammen, um über die Entwicklung der Innenstadt zu beraten. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Themen öffentliche Ordnung, Sicherheit und die Auswirkungen der Obdachlosen- und Drogenszene auf den Geschäftsalltag. Viele Händler berichteten von zunehmenden Belastungen durch Ladendiebstähle und Konfliktsituationen, die nicht nur Zeit und Ressourcen binden, sondern teilweise auch wirtschaftliche Risiken für die Betriebe darstellen. In einer ersten Runde wurden die Herausforderungen erkannt und Handlungsfelder identifiziert. In der darauffolgenden Runde wurde dem Oberbürgermeister ein Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Situation überreicht.
Spürbare Fortschritte ließen nicht lange auf sich warten. Positiv bewertet wurden die vollständige Besetzung der Stellen im Ordnungsamt, die Ausweitung sozialer Hilfsangebote für obdachlose Menschen, Verbesserungen im Bereich der Sauberkeit sowie städtebauliche Maßnahmen und Veranstaltungen zur Belebung der Innenstadt. Die Teilnehmer waren sich einig, dass diese Schritte wichtige Signale darstellen, zugleich aber weitere Anstrengungen erforderlich machen. Der Wunsch nach einer stärkeren Präsenz von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst sowie einer besseren Verzahnung von Präventions-, Sozial- und Sicherheitsmaßnahmen wurde deutlich formuliert. Diese Ansatzpunkte wurden in den Folgejahren bis heute kontinuierlich weiterbearbeitet und im engen Austausch mit dem Handelsverband verbessert. Laut Kaiser tendieren aktuell die Meldungen von Belästigungen oder die Sichtbarkeit der Drogenszene in den Einkaufslagen – auch dank der Stadtrundgänge – gegen Null.
Die Erfahrungen aus Rheydt zeigen dabei exemplarisch, dass Sicherheitsrundgänge und strukturierte Dialogformate dazu beitragen können, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und konkrete Maßnahmen anzustoßen. Zudem wurde damit eine Blaupause initiiert, die auch auf weitere Städte angepasst wurde, aktuell beispielsweise in Neuss.
Neuss: Landesgartenschau als Chance
Mit der Landesgartenschau (16. April bis 11. Oktober 2026) hat Neuss aktuell die Gelegenheit, sich einem großen Publikum als attraktiver Wirtschafts-, Wohn- und Freizeitstandort zu präsentieren. Damit steigen auch die Erwartungen an die Aufenthaltsqualität und die Wahrnehmung des öffentlichen Raums. Vor diesem Hintergrund wurde angeregt, frühzeitig einen gemeinsamen Stadtrundgang im Vorfeld der Landesgartenschau zu organisieren. Mit der Erfahrung aus anderen Städten wurden in der IHK Mittlerer Niederrhein und der Neuss Marketing GmbH Kooperationspartner für die Durchführung eines Stadtrundganges mit dem Fokus auf Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit gefunden. Ziel war es, die Innenstadt sowie die Wegebeziehungen zwischen Innenstadt und Landesgartenschau-Gelände gemeinsam mit Verwaltung, Ordnungskräften und weiteren Beteiligten
