Jahresempfang des NRW-Einzelhandels: Erreichbarkeit der Innenstädte, Digitalisierung, Ladenöffnungsgesetz: der NRW-Einzelhandel im Umbruch

Am Abend des 26. März 2019 begrüßten der Handelsverband NRW (HV NRW) und der Handelsverband NRW – Rheinland (HVR) knapp 200 geladene Gäste aus Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft zum Jahresempfang des nordrhein-westfälischen Einzelhandels. Als Gastredner durften die Wirtschaftsverbände den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Armin Laschet willkommen heißen.

vlnr. Michael Radau (Präsident HV NRW), Thomas Geisel (Oberbürgermeister Stadt Düsseldorf), Armin Laschet (Ministerpräsident NRW), Friedrich G. Conzen (Vorsitzender des HVR und Bürgermeister Stadt Düsseldorf), Dr. Peter Achten (Hauptgeschäftsführer HV NRW) (Foto: © HV NRW / Volker Wiciok)

 

Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW, nahm in seiner Rede zur Lage des Einzelhandels kein Blatt vor den Mund und sprach über erfreuliche und weniger erfreuliche Dinge, die die Branche derzeit beschäftigen: Er ließ das vergangene Jahr für die Gäste vor Ort Revue passieren und warf einen Blick in die nahe Zukunft. In Anlehnung an das 100-jährige Jubiläum des Handelsverbands Deutschland HDE in diesem Jahr wies Radau auf die Leistungen des Handels für die Gesellschaft hin, darunter Stabilität, Versorgungssicherheit und verlässliche Arbeitsplätze.

Dabei verlor er nicht aus dem Blick, dass sich der Handel in einer massiven Veränderungsphase befindet. So verzeichne der Handel zwar das neunte Jahr mit Umsatzsteigerungen in Folge, diese seien jedoch maßgeblich durch den Onlinehandel begründet: „Mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzwachstums im Einzelhandel ist auf den Onlinehandel zurückzuführen!“ So löse sich auch der vermeintliche Widerspruch auf, dass in vielen Innenstädten die Besucherzahlen rückläufig seien.

Unterstützung für den stationären Handel als wichtiger Bestandteil vitaler Innenstädte

Präsident Michael Radau (Foto: © HV NRW / Volker Wiciok)

Diese Zahlen belegte jüngst das IFH Köln in seiner nun bereits zum dritten Mal durchgeführten Studie „Vitale Innenstädte“. Demnach ist „Einkaufen“ nach wie vor der häufigste Grund, warum eine Innenstadt überhaupt besucht wird. Dieser Wert ist seit 2014 um absolut 10 Prozentpunkte gesunken: „Eine erschreckende Entwicklung!“, so Radau. Zwei weitere wichtige Erkenntnisse aus der Studie: Auch bei gutem ÖPNV-Angebot reisen immer noch knapp die Hälfte der Kunden mit dem Auto an und digitale Angebote gewinnen an Relevanz. Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich einiges ableiten: Oftmals werde der Einzelhandel als Selbstverständlichkeit wahrgenommen, sei aber die maßgebliche Bestimmungsgröße für die Wahrnehmung einer Stadt. Radau: „Einmal verödete Stadt- oder Stadtteilzentren sind verloren und lassen sich nur schwer revitalisieren.“

Auch die Digitalisierung beschäftigt den Einzelhandel weiterhin. „Wer im Markt langfristig bestehen will, muss […] zumindest eine Strategie haben, in welchem Maße man online aktiv sein will.“, mahnt Radau an und dankt der Landesregierung für ihre Unterstützung bei diesem wichtigen Thema. Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen vom Land geförderte Digitalcoaches eingesetzt werden, die konkret und vor Ort Digitalisierungshemmnisse insbesondere im mittelständischen Einzelhandel identifizieren und Lösungen anbieten sollen.

Ohnehin zeige sich an einem Abend wie diesem die gute Zusammenarbeit mit der Landesregierung und den Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Gesprächsbereitschaft und das offene Ohr seien immer vorhanden und die Wertschätzung zeige sich nicht zuletzt in dem unmittelbar nach Beginn der Legislaturperiode novellierten Ladenöffnungsgesetz. Leider sei es hier aber nicht gelungen, die beabsichtigte Rechtssicherheit zu schaffen. Präsident Radau bat die anwesenden Regierungsvertreter eindringlich darum, noch einmal im Gesetz nachzujustieren: „Viele Kommunen und Städte gehen das Thema gar nicht mehr richtig an […] Wir wollen keine generelle Öffnung an Sonntagen! Aber die Sonntage, die als verkaufsoffene Sonntage beantragt werden dürfen, sollten dann auch stattfinden, und zwar nach Möglichkeit an den Tagen, die für den Handel passen und sinnhaft sind.“

Ministerpräsident Armin Laschet (Foto: © HV NRW / Volker Wiciok)

In seiner Ansprache an die Gäste beleuchtete Ministerpräsident Armin Laschet besonders die Bedeutung des anstehenden Brexits auch für die nordrhein-westfälische Wirtschaft und mahnte einen engeren Zusammenhalt in Europa an. Die Landesregierung sei sich der besonderen Bedeutung des Einzelhandels gerade auch in Nordrhein-Westfalen bewusst und habe bei den wirtschaftspolitischen Handlungsschwerpunkten Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Bildung, Verkehrspolitik und Bürokratieabbau stets auch den Einzelhandel im Blick.

Der Jahresempfang der Handelsverbände ist die Jahresleitveranstaltung der nordrhein-westfälischen Einzelhandelsorganisation. Unter den rund 200 Gästen der Veranstaltung begrüßte der NRW-Einzelhandel den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, zahlreiche Abgeordnete der Parlamente, Bürgermeister, Vertreter des diplomatischen Corps und der Kommunalpolitik sowie Führungskräfte aus Handel und Wirtschaft.

Durch den Abend führte die bekannte WDR-Moderatorin Gisela Steinhauer. Für den musikalischen Rahmen sorgten Sascha Blejwas und Alex Clouet als akustisches Duo „Gitarre mal Zwei“.

Für die Rede von Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen, im Wortlaut >>hier klicken<<.

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Im Folgenden finden Sie weitere Impressionen des Abends.